Ein Tag in der Tierklinik Oberhaching

07:00 Uhr: beginnt der Tag für das Tierärzteteam, der Tierklinik Oberhaching mit der morgendlichen Röntgenvisite und der Beurteilung aller Röntgenbilder sowie CT- und Sonographie-Befunde vom Vortag. Anschließend wird die Stationsvisite durchgeführt. Der Stationsarzt, der die 20 bis 30 stationären Patienten betreut, stellt die Krankengeschichte jedes einzelnen Tieres vor. In der Runde werden Therapiepläne diskutiert und die weitere Behandlung wird besprochen. Im OP beginnen währenddessen schon die Vorbereitungen für die ersten operativen Eingriffe.

 

08:00 Uhr: fängt Dr. Schmid im Zahn-OP mit einer Wurzelkanalfüllung an, wie hier bei der Hündin Lisa. Durch eine Zahnfraktur kommt es zur Eröffnung der Nerv- und Blutversorgung des Zahns, welche schnellstmöglich versorgt werden muss. Das bedeutet, eine Wurzelkanalfüllung muss erfolgen, um den Zahn zu erhalten. Erst nach einer digital, intraoral angefertigten Röntgenaufnahme beginnt die Wurzelkanalfüllung. Mit Hilfe eines zeitnahen operativen Eingriffes lassen sich Schmerzen, Infektionen oder die zusätzlichen Gefährdung der benachbarten Zähne vermeiden.

 

09:00 Uhr: im Nachbar-OP beschäftigt sich Dr. Scabell mit der Versorgung des jungen Wolfshundes Max, nach einem Kreuzbandriss. Eine Tibia Plateau Leveling Osteotomy (TPLO) stabilisiert das Gelenk und reduziert die Arthrosebildung, damit Max nach Ausheilung der Verletzung wieder unbeschwert laufen kann. Das Team der Tiermedizinischen Fachangestellten – eingeteilt in die Gruppen Ambulanz, Labor, OP und Station – sorgt für einen reibungslosen Ablauf.

 

10:00 Uhr: Dr. Borbe untersucht die Hündin Maya, die überwiesen wurde, um einen Tumor am Lidrand entfernt zu bekommen. Bei älteren Hunden handelt es sich häufig um gutartige Adenome oder Epitheliome der Meibomschen Drüsen. Trotz ihrer Gutartigkeit reizen sie das Auge mechanisch. Dies ist erkennbar an einer deutlichen Rötung der Bindehäute sowie am vermehrten Tränenfluss. Bei Maya handelt es sich glücklicherweise um einen kleineren Tumor, der sich gut durch eine Kryochirurgie entfernen lässt. Hierbei wird der Tumor mit einer Kältesonde vereist. Durch die Bildung von Eiskristallen wird die Zellmembran der Tumorzellen zerstört, der Tumor geht zugrunde.

 

11:00 Uhr: Die mittelalte Golden Retriever Hündin Susi zeigt seit Monaten eine deutliche Leistungsschwäche. Bei einer Routineuntersuchung wurde ein Herzgeräusch festgestellt. Nun liegt Susi seitlich auf einer bequemen Schaumstoffunterlage und beobachtet mit ihrem Herrchen den Bildschirm. Mittels Dopplertechnik gelingt es Dr. Steffen eine Mitralklappeninsuffizienz zu diagnostizieren.  Von einer Mitralklappeninsuffizienz spricht man, wenn die Herzklappe zwischen linkem Vorhof und linker Herzkammer „undicht“ wird, d.h. das Zurückströmen von Blut in den Vorhof beim Zusammenziehen des Herzmuskels nicht mehr vollständig verhindern kann.

 

12:00 Uhr: Die mit plötzlicher Lähmung eingelieferte Mischlingshündin Mausi liegt nach eingehender neurologischer und orthopädischer Untersuchung im CT. Die Radiologin Dr. Gutmannsbauer entdeckt rasch die Ursache für die Lähmungserscheinungen: ein Bandscheibenvorfall. In der Mittagszeit wird die Hündin operiert.

 

13:00 Uhr: Die Internistin Dr. Gerhardt führt bei Mischling Lupo eine Gastroskopie inklusive Biopsieproben-Entnahme durch. Lupo wird seit vier Monaten von anhaltendem Erbrechen geplagt. Die endoskopische Untersuchung wird auf Video aufgezeichnet und kann bei interessanten Befunden anschließend dem Besitzer präsentiert werden. Die Biopsieproben werden nach dem Eingriff zur histopathologischen Untersuchung per Kurier an ein Speziallabor geschickt.

 

14:00 Uhr: Dr. Blanke begrüßt Lilly, die heute zu ihrer 5. Chemotherapie nach Diagnose eines malignen Lymphoms vorgestellt wird. Nach einer eingehenden allgemeinen Untersuchung wird Lilly Blut entnommen, dass umgehend im hauseigenen Labor analysiert wird. Aufgrund des guten Ansprechens auf die Behandlung und der stabilen Blutwerte kann das Chemotherapeutikum verabreicht werden und Lilly wird anschließend gleich wieder entlassen.

 

 

15:00 Uhr: Aufregung im Ambulanz-Bereich. Gerade ist ein Labrador mit Verdacht auf Magendrehung eingeliefert worden. Sofort werden Braunülen und Infusionen gelegt, die Schocktherapie beginnt umgehend, im OP-Bereich werden Magensonden bereitgelegt und der Weichteil-OP vorbereitet. Nach einem Röntgenbild wird die Verdachtsdiagnose schnell bestätigt. Dem inzwischen kreislaufstabilisiertem Tier wird vom OP-Arzt gleich nach Narkoseeinleitung eine Magensonde gelegt. Aufgrund der perkutanen Entgasung ist es möglich, die Magensonde gleich zu legen und den Magen zu entleeren. Die Not-OP kann nur wenige Minuten nach Diagnosestellung beginnen.

 

16:00 Uhr: Eine Familie mit zwei Kindern und einem Katzenkorb stürzen aufgelöst ins Wartezimmer. Sofort wird der Notarzt gerufen. Ein kurzer Blick auf die blaue Zunge und die schwere Atmung der Katze Minu machen klar, dass es hier um Leben und Tod geht. Die Diagnose ist schnell gestellt: Minu hat einen hochgradigen Thoraxerguss. Unter minimaler Narkose punktiert Dr. Lammerer den Thorax und zieht 120ml gelblich-trübe Flüssigkeit ab, die direkt zur Analyse an das hauseigene Labor weitergeleitet wird. Der Zytologiebefund ist eindeutig: Es handelt sich um einen Pyothorax. Der gesamte Brustkorb ist mit entzündlichem Sekret gefüllt. Minu muss zur Stabilisierung stationär aufgenommen werden und soll am nächsten Morgen Thoraxdrainagen erhalten.

 

17:00 Uhr: Jessy, eine Jack-Russell-Hündin hat seit Tagen starken Juckreiz. Im Nasenbereich hat sich bereits eine kahle Stelle gebildet. Nach einer ausführlichen Anamneseerhebung fertigt  Dr. Gerhardt zytologische Abklatschpräparate und eine Pilzkultur an, die im hauseigenem Labor kultiviert und mikroskopisch untersucht werden.

 

18:00 Uhr: Kater Rusty kommt aufgrund von anhaltendem Durchfall zu einer Futtermittelberatung zu Dr. Schumacher, die eine Ausschlussdiät aufgrund einer Futtermittelallergie individuell für die Bedürfnisse von Rusty zusammenstellt.

 

19:00 Uhr: Zwergkaninchen Luise wird heute vorgestellt, weil sie seit einigen Tagen zunehmend schlechter frisst und seit etwa zwei Stunden immer wieder mit den Zähnen knirscht. Nach einer eingehenden Untersuchung wird eine Röntgenaufnahme angefertigt, auf der das Problem offensichtlich wird: Luise leidet an einer Magenentleerungsstörung. Nach einer Infusionstherapie und einigen Medikamenten darf Luise mit einem Behandlungsplan wieder nach Hause.

 

20:00 Uhr: Auf der Station wird die Abendbehandlung durchgeführt. Bei einer Katze mit Diabetes mellitus wird nochmals der Blutzucker gemessen und die entsprechende Menge an Insulin verabreicht. Alle anderen Patienten werden nachuntersucht und die entsprechenden Medikamente verabreicht.

 

21:00 Uhr: Nachtdienst. Der erste Patient muss durch die Tür getragen werden. Der Jack Russell Willy mit blassen Schleimhäuten und dickem Bauch veranlasst den diensthabenden Arzt zu sofortigem Handeln. Dr. Morgenroth führt umgehend eine Sonografie durch: Ein rupturierter Milztumor, der in die Bauchhöhle blutet, ist die Ursache für Willys Probleme. 30 Minuten später erfolgt im OP die Notoperation.

 

23.00 Uhr: Nachtdienst. Die Katze Lilly wird von ihren Besitzern ins Wartezimmer gebracht. Sie war drei Stunden von zu Hause weg und kann ihr linkes Hinterbein nicht mehr belasten. Nach einer eingehenden Untersuchung mit anschließendem Röntgen stellt sich heraus: Sie hatte vermutlich einen Zusammenstoß mit einem Auto gehabt. Glücklicherweise hat sie keine inneren Verletzungen. Ihr Bein ist gebrochen und muss operiert werden. Sie wird zur Schockbehandlung und Operation am nächsten Tag stationär aufgenommen.

 

02:00 Uhr: Telefon. Ein sehr besorgtes Frauchen ruft in der Klinik an, da sich ihre Kätzin Leila seit drei Stunden mehrfach übergeben hat. Sie soll umgehend vorbeikommen, damit man die Situation einschätzen, Leila untersuchen und ihr helfen kann.